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Giulia - eine Liebesgeschichte

Infizierung

1975, ich befinde mich im Rahmen meiner Ausbildung auf einem dreiwöchigen Seminar. Meine Freundin hat eine Möglichkeit gefunden, mich dort zu besuchen. Ich bin hoffnungslos verliebt und die Freude über den baldigen Besuch ist groß.

Endlich Samstag. Sie kommt mit einem  entfernten Bekannten, der sich angeboten hat, sie zu fahren. Er fährt eine Giulia. Ich als Ganzjahresmotorradfahrer mit der Auffassung, dass ich mir frühestens als Rentner Gedanken über die Anschaffung eines Autos machen werde, finde das Auto zwar interessant und es hört sich auch gut an, aber weitere Gedanken verschwende ich daran nicht. Wir verbringen einen schönen Tag zusammen. Leider ist es der letzte.

Nach diesem Wochenende wird meine Freundin die Freundin des Giulia-Fahrers. Das tut weh.

Ganz heimlich jedoch und ohne, dass ich es bewusst wahrnehme, verliebe auch ich mich an diesem Wochenende neu.
 

Ausbruch

1987, ich besuche einen Bekannten in Wedel. In der Einfahrt einer kleinen Autowerkstatt wende ich meinen Ascona B. Ja, in den letzten Jahren habe ich die Erfahrung gemacht, dass Autos gelegentlich ganz praktisch sein können.

Da steht sie auf dem Hof - Alfa Romeo Giulia 1300 nuova super. Zum ersten Mal seit damals sehe ich bewusst wieder so ein Auto. Sie ist faggio, sie ist wunderschön und - sie ist zu haben.

Auf der Probefahrt erliege ich ihrer Stimme und ihrem Temperament. Der Keim von damals hat sich entwickelt. Der Ascona, das Sparbuch, und ich haben keine Chance.

Meine Lebensgefährtin Petra weiß von nichts und fällt aus allen Wolken, als wir die Giulia an einem der  nächsten Tage abholen - aber sie findet sie schön.

Petras Vater hat gerade einen Motorschaden an seinem alten Passat. Am Öl kann es nicht gelegen haben - es war keins drin. Er spendiert uns das Auto und ein Motor vom Schrottplatz wird eingebaut. So kommen wir zu unserem Winterauto.

Im Sommer 1988 geht es mit Petra und Giulia auf große Fahrt in die Toskana.Viareggio, Florenz, Siena, Volterra...
Herz, was willst du mehr?

Herz will mehr und so bekommt Giulia im Sommer 1989 einen wunderschönen Blumenschmuck und Petra ein wunderschönes weißes Kleid und wir fahren gemeinsam zur Kirche.

Im Sommer 1990 wird unser Sohn geboren. Das Leben ist schön.

Ich unbedarfter Neuvater gehe davon aus, dass jetzt, wo wir durch das Baby in unseren Arbeits- und Freizeitaktivitäten etwas gehemmt sind, die richtige Zeit ist, Giulias kleine Gebrechen zu kurieren. Denn natürlich hat sie einige Gebrechen, die ich im ersten Rausch der Leidenschaft nicht wahrgenommen habe oder nicht wahrnehmen wollte. So wird Giulia ihrer Nummernschilder beraubt und kommt in meine Bastelgarage. Dort teilt sie das Schicksal meiner Guzzi.

Jeder erfahrene Familienvater weiß, was jetzt passiert - nichts.

Kind und Familie nehmen den Freiraum komplett in Anspruch. Giulia gerät nicht in Vergessenheit, aber zur Nebensache. Immerhin kann ich 1991 noch einen generalüberholten 1600er Motor günstig erwerben und in der Bastelgarage abstellen.

1997 wird ein kleines Reihenhaus gekauft und in Eigenregie umgebaut und renoviert.

Guilia? - Ach ja, die steht in der Bastelgarage. Aber die Guzzi fährt schon wieder.

Zeitsprung

2002, das Leben geht weiter. Der Sohn gerät in seine vorpubertäre Phase. Freunde, Musik, Sport und Computer bekommen langsam Vorrang vor den Eltern.

Das Haus ist größtenteils so, wie wir es haben möchten, Petras im Erziehungsurlaub begonnene berufliche Selbständigkeit steht auf festem Fundament und die Guzzi ist verkauft und eine Yamaha TRX 850 bringt mich zügig um die Ecken.

Ein Blick in die Bastelwerksatt, die verstaubte Plane gelüftet - sie ist noch da und das Feuer beginnt wieder zu flackern.

 

Bestandsaufnahme

Ohje, da war ich wohl doch sehr blind vor Liebe damals.
Zerlegung, Schweißarbeiten, komplette Überholung aller Komponenten, Lackierung und Umbau nach meinen Wunschvorstellungen würden nicht nur sehr viel Zeit in Anspruch nehmen, sondern auch mein Budget sprengen.

Also, was nun?
Nicht mehr ganz so blind vor Liebe reift in mir der Entschluss, eine restaurierte Giulia zu kaufen und meine als Ersatzteilträger zu behalten.

Auf Freiers Füßen

Die Lektüre der einschlägigen Zeitschriften bestärkt mich darin, dass mein Budget für ein Auto im Zustand zwei eigentlich reichen müsste. Die Suche beginnt in der näheren Umgebung. Alle Autos, die mir angepriesen werden, haben genau die Schwachstellen, die ich kenne in mehr oder minder fortgeschrittenem Zustand. Vor allem die Türen sind bei allen Objekten schlecht oder schlecht instandgesetzt. Auch die Ausdehnung des Suchgebietes auf mehrere hundert Kilometer im Umkreis bringt keinen Erfolg.

Ich freunde mich wieder mit dem Gedanken an, mein Schmuckstück in Eigenarbeit instand zu setzen.

Die Türen sind schnell ausgebaut und zerlegt. Nach dem Sandstrahlen bin ich mir sicher, dass meine Schweißkünste hier hoffnungslos überfordert sind, ebenso im Bereich A-Säule etc.

Dann der entscheidende Klick auf einen Internetmarkt:

Alfa Romeo Giulia Super

Motor überholt, Karosserie restauriert und teilzerlegt aber komplett, kompletter Umbau auf 2-Liter-Technik, komplett schwarzes Leder. Standort Hannover.

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Die Neue

Ich lerne Günther kennen. Wir treffen uns auf einem Autobahnrastplatz und fahren von dort gemeinsam zu einer Scheune in den umliegenden Dörfern. Er muss die Restaurierung der Giulia aufgeben. Der Bau seines Hauses hat Vorrang.

Die Schweißarbeiten und die Neulackierung wurden durch Fachbetriebe ausgeführt, liegen jedoch schon einige Jahre zurück. Seitdem steht das Auto zerlegt aber rollfähig in der Scheune.


Sie ist es!

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Die durchgeführten Karosseriearbeiten machen auf mich einen soliden Eindruck, die Lackierung in Rosso 501 scheint nicht perfekt, aber in Ordnung. Schnell stellt sich dann heraus, dass es sich um eine Nuova handelt, die irgendwann im Laufe ihres Lebens auf die alte Form umgebaut wurde. Insofern ist sie zwar nicht original, hat aber alles so wie ich es mag:

Außen die schöne alte Form, die Innenausstattung der Nuova mit der Mittelkonsole, lederne Sportsitze der Firma Ass aus Karlsfeld, dazu eine mit Leder bezogene Rückbank  und einen Zweilitermotor.

Günther und ich werden uns handelseinig. Nicht nur das, Günther besorgt für das nächste Wochenende einen Transporter für die Teile und einen Hänger für die Karosse.

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Beim Einladen wird Bestandsaufnahme gemacht und es scheint alles vollständig.

Zuhause angekommen wird die alte Liebe in einer nicht benutzten Garage bei einer Nachbarin untergebracht und die Neue zieht ein mit Sack und Pack.

Das Spiel beginnt

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Der alte Unterbodenschutz muss noch entfernt werden. Was für eine Sch...arbeit. Ich beginne mit dem Mittelteil des Bodens. Es finden sich noch ein paar kleine Löcher und eine eingerissene Sitzbefestigung. Das Schweißen ist kein Problem.

Das Auto hat schon mal eine Hohlraumkonservierung erhalten. Ich finde an den entsprechenden Stellen Bohrlöcher für eine Sonde.
Es stellt sich die Frage, mit welchen Mitteln ich die Konservierung durchführen soll. Nach längeren Recherchen in Zeitschriften und Internet komme ich zu dem Ergebnis, dass jeder das Produkt für das beste hält, welches er selbst verwendet hat und entscheide mich für Owatrol.

Das freigelegte Mittelteil des Unterbodens wird erst mit Owatrol-Öl gestrichen und anschließend mit Owatrol-Primer behandelt. So soll nach Ausbau der Achsen der gesamte Boden behandelt und anschließend lackiert werden. Die Hohlräume erhalten vorerst nur eine Behandlung mit Owatrol-Öl.

Dann wird es Winter und die Arbeitsfreude lässt angesichts der ungeheizten Garage stark nach.

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2003, das Hobbykonto ist durch den Kauf der neuen Giulia etwas geschwächt und ich entschließe mich, in diesem Jahr nur Arbeiten durchzuführen, die nicht viel kosten.

Ich stürze mich auf den Innenraum.

Der Himmel wird mit Kunststoffreiniger behandelt und an Türen und Fenstern neu verklebt. Front- und Heckscheibe werden mit neuen Dichtungen eingesetzt. Hier hilft mir die Erfahrung eines Freundes weiter. Es stellt sich allerdings heraus, dass die Passung doch eher schlecht ist und ohne die Verwendung von Dichtmasse keine Chance auf einen trockenen Innenraum besteht. Schlussendlich sieht das Ganze dann aber ganz ordentlich aus.

Ich baue das Armaturenbrett meiner alten Giulia ein, weil es keinen Radioausschnitt hat. Nun passt das Lenkrad allerdings im Farbton nicht zum Holz des Armaturenbrettes. Außerdem weist der Lack einige Risse auf. Folglich wird das Lenkrad abgeschliffen und anschließend neu gebeizt und lackiert.

Der Boden wird nach einer neuen Lackierung mit schalldämmenden Filz ausgelegt und darüber kommt der gereinigte Originalteppich, der sich noch in erstaunlich gutem Zustand befindet. Nachdem die Hutablage neu bezogen ist sieht es schon ganz wohnlich aus.

 

Die Türen

Sie beschäftigen mich doch länger als gedacht. Alle bekommen von innen eine Behandlung mit Owatrol-Öl und –Primer. Nachdem die erste Tür an der Karosse hängt (natürlich mit neuen Passhülsen in den Scharnieren) montiere ich das Fenster und die anderen Anbauteile. Dann wird die Tür ausgerichtet. Die Dichtungen an den Türen lasse ich weg, weil sich dahinter im Betrieb immer Feuchtigkeit sammelt und ich von mehreren Giuliafahrern gehört habe, dass diese Dichtungen eigentlich überflüssig sind und die an der Karosse befestigten Dichtungen ausreichen. Irgendwann werde ich das dann ja merken und kann die Dichtungen zur Not noch nachträglich anbauen. Entgegen anderer Ratschläge habe ich die Aufnahmeschienen an den Türen nicht entfernt.

Nachdem die zwei Türen der Beifahrerseite montiert sind kommt – der Winter. 

Seit Oktober fahren wir übrigens schon Alfa. Ein 156 2.0, Baujahr 98 ist Petras ganzer Stolz.

2004, ich habe mir vorgenommen, jeden Sonntagvormittag an der Giulia zu arbeiten.

Inzwischen sind alle vier Türen montiert. Das schafft ein bisschen mehr Bewegungsfreiheit in der Garage.

Die Hinterachse wird ausgebaut und der Unterbodenschutz in diesem Bereich und bis zur Heckschürze abgekratzt. Vor allem im Bereich der Reserveradwanne kommt richtig Freude auf. Unter dem Unterbodenschutz taucht vereinzelt Rost auf, aber nichts Besorgnis erregendes. Man sieht, dass das Auto hinten rechts irgendwann einen Unfall hatte, der aber fachmännisch repariert wurde.

Dann finde ich jedoch im Bereich der linken Aufnahme für das Fangband der Hinterachse noch eine Durchrostung. Die Fangbandaufnahme muss abgetrennt und der Radkasten aufgetrennt werden, um an die Stelle heran zu kommen. Also wird der ganze Radkasten ebenfalls von mehreren Schichten Unterbodenschutz verschiedener Konsistenz befreit. 
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Nachdem der Boden über der Hinterachse und die Radkästen mit Owatrol behandelt und anschließend lackiert wurden, kommt die Hinterachse an die Reihe. Sie ist mit einer Öl und Dreckmischung bedeckt – eine ziemliche Sauerei, das alles zu reinigen. Die Achse wird komplett neu abgedichtet. Das Differential hat kaum Spiel und die Radlager sind scheinbar auch in Ordnung. So werden nur die Handbremsen und Bremssättel überholt und das Ganze neu lackiert und mit neuen Bremsscheiben wieder eingebaut. Nun steht die Giulia wieder auf ihren Rädern.
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Und was kommt jetzt?

Leider nicht nur der Winter, sondern auch die Nachricht, dass die Nachbarin in deren Garage die alte Giulia steht ins Altersheim gekommen und das Haus verkauft worden ist. Ein Gespräch mit dem neuen Besitzer ergibt, dass die Garagen im Wege eines Neubaus abgerissen werden, dies allerdings erst Anfang 2005. Gegen Übernahme der Schneereinigungsarbeiten auf dem Gehweg darf ich die Garage noch so lange benutzen. Und dann? Keine Ahnung! 

Januar 2005

Ich habe das Garagenproblem erst mal verdrängt und mich im Keller der Sitzgarnitur angenommen. Die Sitze lagen mehrere Jahre gestapelt in einer Scheune und anschließend noch bei mir im Keller – und so sehen sie auch aus. Ich mache mich im Internet über Lederinstandsetzung und –pflege schlau. Dann wird beim „Lederzentrum“ ein Pflegeset bestellt und erst die Rückbank und dann die Sportsitze bearbeitet. Die Bearbeitung geht vom Reinigen über Farbauffrischung bis zur Endbehandlung mit einer Pflegemilch und einem sehr zähen Fett, dass mit entsprechendem Kraftaufwand eingearbeitet werden muss.

Die Bereiche, die irgendwann einmal der Sonne ausgesetzt waren, wie z.B. die Lehne der Rückbank werden nach Empfehlung des Lederzentrums nach der Reinigung mit einem Softener für ausgehärtetes Leder behandelt. Nach der ziemlich langwierigen Behandlung aller Teile bin ich vom Ergebnis sehr beeindruckt. Alle Sitze glänzen wieder fast wie neu und die ausgehärteten Stellen sind wesentlich weicher geworden. Dies ist das absolute Erfolgserlebnis des Winters und ich kann die benutzten Produkte mit gutem Gewissen weiterempfehlen. 

März 2005

Die alte Giulia steht auf dem Hof vor der Bastelgarage unter einer Plane. Sobald die Außentemperaturen es zulassen, werde ich sie zerlegen. Jetzt ist erst mal die Guzzi dran und wird für den Sommer fit gemacht. Ja, die Yamaha TRX musste wieder einer Guzzi weichen. Der Unterhalt (vor allem die Reifen) wurde mir zu teuer, die Giulia verschlingt genug Euros. Außerdem war ständig der Führerschein in Gefahr. So habe ich mir eine genügsame kleine Guzzi (V 65) zugelegt.

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Juni 2005

Die alte Giulia ist zerlegt. Was für ein Haufen Teile! Vor allem die Blechteile nehmen viel Platz ein und ich muss sehen, dass ich alles so verstaue, dass ich mich in der Garage auch noch bewegen kann. Der rettende Engel ist mein Vater, der mir ein Stück des Stallbodens überlässt. So ist es in der Garage nicht ganz so eng.

Das Basteln kann jetzt weitergehen und ich mache mich an die Vorderachse. Nachdem die linke Seite zerlegt ist, stellt sich heraus, dass alle Gelenke und Buchsen ziemlich am Ende sind.

Ich lasse Feder und Federteller sandstrahlen und lackiere sie mit Owatrol Primer und schwarzem Hammerit. Die meiste Zeit nimmt das Abkratzen des Unterbodenschutzes im Radkasten in Anspruch. Aber auch das geht einmal zuende und ich kann mit der Lackierung beginnen und die überholten Achsteile einbauen.

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Ich habe mir ein Paar Lokari-Innenkotflügel gekauft. Die probeweise Montage lässt schon mal auf eine gute Passform hoffen. Endgültig montiert können sie natürlich erst werden, wenn auch die Scheinwerfer, Seitenblinker und Radioantenne angebaut sind und funktionieren. Allerdings haben die Lokaris eine abschraubbare Klappe, so dass man von hinten an die Scheinwerfertöpfe und Seitenblinker kommt.

Inzwischen ist es August und ich kann mit der rechten Seite anfangen. Zwischendurch habe ich den alten 1300er Motor aus der zerlegten Giulia bei Ebay versteigert und damit die Bastelkasse wieder etwas aufgefüllt.

Nachdem die Vorderachse wieder montiert ist, passiert auch nicht mehr viel. Andere Dinge nehmen die Freizeit in Anspruch, z.B. ein undichtes Garagendach und ein wunderschöner Urlaub auf Elba.

Ehe man sich versieht ist er dann wieder da, der Winter.

April 2006

Der Winter war lang und so richtig Frühling will es immer noch nicht werden. Aber die Guzzi ist schon wieder startklar und der Garten fit für den Sommer.

Ich habe mich in den Wintermonaten entschlossen, den damals gekauften überholten 1600er Motor in die Giulia einzubauen und den Zweilitermotor irgendwann später neu aufzubauen. Für den 1600er habe ich aber keine Vergaser. So nehme ich die Dellortos vom Zweiliter und mache mich im Internet über die Umrüstung auf den kleineren Motor schlau. Ich komme in Kontakt mit einem Mitarbeiter von Dellorto in England, der mir weiterhilft. Trotzdem entschließe ich mich, die Reinigung, Überholung und Umrüstung einem Profi zu überlassen und wende mich an J. P. Adam bei uns in Hamburg. Der macht einen äußerst kompetenten Eindruck und hält den Umrüstungsvorschlag aus England auch für sinnvoll Nach zwei Wochen halte ich die überholten Vergaser wieder in den Händen. Leider dauert es noch, bis sie endlich ihre Arbeit verrichten dürfen.

Die Bastelei geht weiter. Ich brauche jetzt mal was fürs Auge als Motivationsschub. Die Rückleuchten werden überholt (aus vier mach zwei) und gut abgedichtet eingebaut und die Stoßstange angepasst. Die ist aber scheinbar durch einen Rempler ziemlich verzogen und in sich etwas verdreht. Ich muss sie mehrmals richten, bis sie endlich passt. Es sieht so schön aus, dass ich mich entschließe, erst mal den ganzen Heckbereich fertig zu machen.

Der Kofferraumdeckel wird mit den Schriftzeichen bestückt. Dabei stelle ich fest, dass der Schweißer die Löcher für die Befestigungsstifte teilweise zugeschweißt hat. Aber das sind eben die üblichen Problemchen bei so einer Arbeit. Nachdem die Hohlräume mit Wachs ausgesprüht sind und die Deckeldichtung eingeklebt ist, kann der Deckel montiert werden.

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Nun kommt der Tank an die Reihe. Er ist mit einem Liter Petroleum befüllt und von mir ab und zu mal geschüttelt worden. Nach Ausbau der Füllstandanzeige kann ich durch das Loch keinen Rost entdecken. Auch schwimmen keine Feststoffe in dem Petroleum. Das ist schon mal eine gute Nachricht. Von außen werden diverse Schichten Unterbodenschutz und Wachs abgekratzt und rostige Stellen mit der Drahtbürste behandelt. Dann die übliche Prozedur mit Owatrol und schließlich die Lackierung. Das Gummiteil zwischen Karosserie und Einfüllstutzen ist leider nicht mehr zu gebrauchen und ein neues wird bestellt. Der Preis ist ganz schön heftig und die Montage schweißtreibend. Zu guter Letzt will ich die Tankklappe montieren und stelle fest, dass sie normalerweise eingenietet wird, was bedeutet, dass ich das Gummiteil für den Einfüllstutzen wieder abnehmen müsste. Da ich sowieso nicht weiß, ob ich die passenden Nieten irgendwo bekomme, befestige ich die Klappe mit Schrauben und komme so um das erneute ab- und anbauen des Gummiteils herum.

Jetzt fehlt mir der Anschluss für die Kofferraumbeleuchtung. Das Kabel im Kofferdeckel ist vorhanden, aber wo ist das weiterführende Kabel? Aus dem Kabelbaum zweigt nur der Anschluss für die Füllstandsanzeige des Tanks ab.

Mai 2006

Ich habe mir einen Schaltplan besorgt. Die Kofferraumbeleuchtung werde ich nicht mit den Rückleuchten koppeln, sondern direkt mit Strom versorgen. Jetzt bin ich dabei, die Front neu zu verkabeln. Die inneren Biluxscheinwerfer waren Schrott und ich musste mir neue kaufen, natürlich H1. Ich baue drei Relais ein, jeweils eines für Fernlicht rechts und links und eines für Abblendlicht. Sie sitzen direkt neben der Batterie und die neuen Leitungen von der Batterie und zu den Verbrauchern haben 2,5 er Querschnitt. Das sollte für eine vernünftige Lichtausbeute reichen.

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Bei der Montage des Kühlergrills und der Zierringe für die Scheinwerfer stelle ich fest, dass die Rundung für die Scheinwerferaufnahme im Kotflügel auf der Fahrerseite nicht richtig passt. Ich habe Schwierigkeiten, den Zierring einzupassen und das Gitter vom Kühlergrill muss ich zurechtfeilen und biegen. Ich hoffe, die Optik stimmt nachher noch.

Das nächste Problem sind die Blinker. Die Schrauben der Gläser sind festgerostet und müssen ausgebohrt werden. Zwei Gläser sind gerissen und von einem Blinker fehlt der Chromsteg zwischen Blink- und Standlicht. Die Verkabelung unter Einbeziehung einer Warnblinkanlage aus dem Zubehörhandel klappt auch nicht auf Anhieb. Nachdem das auch geschafft ist, kann der Sicherungskasten wieder an seinen Platz und der Fahrersitz eingebaut werden. Endlich Probesitzen – was für ein Gefühl!

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August 2006

Der erste Innenkotflügel von Lokari ist montiert. Mit ein paar Anpassungsarbeiten geht das innerhalb einer Stunde. Das Ergebnis sieht überzeugend aus. Der Kotflügel dichtet überall gut ab und vorn und hinten sind unten Schlitze offen, die für Belüftung sorgen.

Ein Satz Kunifer-Bremsleitungen ist inzwischen ebenfalls eingebaut.

Nachdem der zweite Lokari auch an seinem Platz sitzt sind die Arbeiten an der Karosse erst mal abgeschlossen und ich kann mich dem Antrieb zuwenden. 

September 2006

Die Giulia muss warten. Erst mal ist die Renovierung des Schlafzimmers  dran, sagt meine Frau. Danach ein Urlaub in Berchtesgaden, nicht zur Rossfeld Historic, sondern zum Bergwandern. Das ist auf jeden Fall schöner als renovieren und mit dem Alfa 156 macht das Fahren auch viel Spaß. Der läuft übrigens von kleinen Macken abgesehen sehr problemlos. Die Schauergeschichten über Motorenkollaps und Elektronikmacken bestätigt unser Auto jedenfalls bisher nicht, Kilometerstand 130.000.

Oktober 2006

Zylinderkopf, Ölwanne und Steuergehäusedeckel sind demontiert. Der damalige Kauf des 1600er Motors erweist sich nun nach mehr als zehn Jahren als Schnäppchen. Es wurde tatsächlich eine komplette Motorüberholung durchgeführt, es ist von Kopf bis Fuß wirklich alles gemacht worden. So beschränkt sich meine Tätigkeit auf die Erneuerung der Dichtungen, Simmerringe und Ventilschaftabdichtungen (wegen der langen Standzeit) und die Beseitigung einiger Schönheitsfehler wie z.B. das Lackieren der Riemenscheiben etc.

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Die von Jens Peter Adam überholten Dellortos werden angebaut. Die Auspuffkrümmer habe ich sandstrahlen lassen und mit einem hitzebeständigen Lack aus dem Por-Programm lackiert. Mal sehen, ob das hält. Nachdem auch Schwungscheibe und Kupplung montiert sind muss ich nur noch das Getriebe reinigen und die Simmerringe tauschen. Ich baue das Getriebe meiner alten Giulia ein, weil das nach einer Überholung erst ca. 10.000 Km gelaufen hat.

Wir haben es noch geschafft. Motor und Getriebe sind eingebaut. Dazu musste das Auto halb aus der Garage, weil der Träger für den Flaschenzug in der Mitte der Garage verläuft. Natürlich hat es nicht nur gestürmt sondern es gab auch dicke Regen- und Hagelgüsse. Ansonsten hat aber alles gut geklappt. Ich hatte allerdings auch tatkräftige Unterstützung von unserem Sohn Victor. Leider ist jetzt meine Abdeckplane total nass. Dafür konnte ich feststellen, dass die Heckscheibe und der Kofferraum scheinbar tatsächlich dicht sind.

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So, ich denke, das war es für dieses Jahr. Über Winter werde ich noch ein paar Kleinigkeiten erledigen. Die Mittelkonsole aufarbeiten, die Kardanwelle überholen und den Kühler etc. einbaufertig herrichten.

Januar 2007

Scheinbar bekommen wir dieses Mal keinen Winter und bei Temperaturen von mehr als 5 Grad kann ich noch weiterbasteln.

Der Motorraum ist inzwischen gefüllt mit allem, was so an- und eingebaut werden muss. Zusätzlich habe ich mir einen Adapter für einen Temperaturgeber gebastelt und an den Anschluss für den Öldruckschalter angeschlossen. Dazu habe ich mir ein Ölthermometer besorgt, das ich in die Mittelkonsole einbauen will. Dafür muss eine der Lüftungsdüsen weichen.

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Die Motorhaube ist auch schon an ihrem Platz. Leider ist ja, wie schon weiter vorn beschrieben, die Passung des linken Kotflügels nicht so berauschend. Das wirkt sich natürlich auch auf die Passung der Motorhaube aus. Das ist ärgerlich, aber da muss ich wohl mit leben. So etwas kann halt passieren, wenn man ein zerlegtes Auto kauft.

Nachdem nun auch die Kardanwelle von altem Dreck befreit und neu lackiert ihren Platz wieder eingenommen hat, fehlen nur noch die Handbremszüge und natürlich ein Auspuff.

Eines der weit verbreiteten „Brüllrohre“ möchte ich nicht installieren, weil mir das auf längeren Strecken zu laut ist. Im Alfisti.net habe ich vom Hersteller CSC gehört, aber scheinbar hat niemand so eine Anlage. Die Firma Häckner bietet einen Sportauspuff an, der qualitativ hochwertig und etwas offener sein soll als die üblichen Serienanlagen. Vielleicht ist es ja sogar die Anlage von CSC. Leider gibt es lange Lieferzeiten, aber ich habe mich erstmal auf die Liste setzen lassen. Ende Februar werde ich mal wieder nachfragen. 

Warum Ende Februar? Weil mein Haushaltsvorstand jetzt die Einlösung eines Versprechens fordert, nämlich die Renovierung und Neugestaltung unserer Küche.

Passend dazu hat der Wetterbericht ab Ende Januar winterliche Temperaturen angekündigt.

Also erstmal tschüß Giulia.

März 2007

Die Küche ist fertig und das Wetter ist frühlingshaft. Die Bastelei geht also weiter. In den nächsten Tagen bekomme ich Infos über Preis und Liefertermin der Auspuffanlage. Ansonsten erledige ich jetzt erstmal die vielen kleinen Dinge, die nicht besonders erwähnt werden müssen, aber die trotzdem Zeit brauchen.

April 2007

Häckner Hat die Auspuffanlage geliefert. Es ist die von CSC. Ostern wird sie angebaut und wenn alles klappt kann die Giulia zum ersten Mal nach fast 14 Jahren probelaufen. Ich kann es kaum erwarten.

Inzwischen ist der Innenraum auch fertig, mit Ölthermometer, Kartenleselampe und modernem Radio auf der rechten Ablage (dezent mit einem Stück Leder abgedeckt).

Die Auspuffanlage ist montiert und unser Sohn Victor hat mir beim Entlüfen der Kupplung geholfen. Die Kupplung trennte trotzdem nicht, aber nach einigem Hin- und Herruckeln im dritten Gang ging es dann plötzlich. Das schönste war aber, dass der Motor nach kurzem Versuch mit dem Fremdstarter ansprang und ich endlich wieder Giulias Stimme hören konnte. Sie hustet und spuckt noch ein bißchen, aber das werde ich noch in den Griff kriegen. Ich habe die Gelegenheit gleich genutzt und den Kühler mit einem Reinigungsmittel befüllt. Nachdem der Motor zehn Minuten gelaufen war, habe ich die Brühe dann abgelassen und Glysanthin und destilliertes Wasser aufgefüllt. Was für ein schöner Tag!

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25. April 2007

Es ist vollbracht. Giulia und ich dürfen mit amtlichem Segen wieder gemeinsam durchs Leben gehen.

Ich bin saustolz!!!

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