Hamburger Hausbootträume

Kennen Sie das? Die Nacht ist fast zu Ende, Sie sind noch in Ihrem schönen Traum gefangen aber langsam werden Sie wach. Für einen Augenblick kann Ihr Bewusstsein die Traumhandlung nicht mit der Realität des erwachenden Tages in Einklang bringen, entscheidet sich schlussendlich, die Realität zu akzeptieren. Das ist der Moment, in dem Sie aufwachen.

Wir befinden uns gerade in diesem Augenblick. Unser Traum, für die nächsten Jahre oder immer das Reihenhaus gegen ein Hausboot zu tauschen ist noch nicht ganz ausgeträumt, die Realität lässt uns aber aufwachen und auch resignieren. Dabei hätte alles so traumhaft werden können:

Im Jahr 2005 sorgt der Senat für Schlagzeilen in allen Tageszeitungen. Das Senatskonzept „Wohnen auf dem Wasser“ wird mit großem Aufwand propagiert. Ein Erstversuch soll auf dem Eilbekkanal stattfinden. Die Ergebnisse sollen dann als Planungsgrundlage für weitere Bereiche genutzt werden. Es gibt etwa zweihundert Bewerbungen für die zehn Plätze. Eine Kommission soll die Entscheidung herbeiführen.

Eine Karte mit Eignungsflächen für Hausboote wird herausgegeben. Architekten und Investoren greifen das Thema auf. Der Bezirk Mitte ernennt einen Hausbootbeauftragten. Die Euphorie greift um sich. Träume.

Die Realität holt die Träumer in die Wirklichkeit zurück. Amsterdam, Paris, Hamburg – dieser Traum wird nicht wahr werden:

Bereits 2005 ist der Versuch, eine Hausbootsiedlung im Harburger Binnenhafen zu etablieren an unüberbrückbaren Auffassungen aller Beteiligten gescheitert.

Drei Jahre später, am 29.07.08 meldet das Hamburger Abendblatt das erste Hausboot, bzw. dessen Unterbau auf dem Eilbekkanal. Der Aufbau unterliegt strengen Auflagen der Stadt. Das Boot soll gewerblich genutzt werden - kein Wohnen auf dem Wasser.

Das Hochwasserschutzbecken in Hammerbrook ist ebenfalls als Standort ausgewiesen. Ein Investor hat sich die alleinigen Rechte gesichert und möchte dort die von ihm entworfenen schwimmenden Häuser verkaufen – mindestens eine halbe Million Euro sollte man als Interessent aber schon in der Tasche haben.

Dann ist da noch der Freihafen. Leider eben Hafengebiet und damit ist dort lediglich gewerbliche Nutzung möglich. Seit Jahren sollen Teile des Freihafens aus der Hafennutzung entlassen und der Zaun abgerissen werden, z.B. am Spreehafen. Bisher steht der Zaun, neue Hoffnungen werden im Zusammenhang mit der internationalen Bauausstellung 2013 geweckt.

Es gibt natürlich einige wenige Hausboote in Hamburg, mehr oder minder geduldet, mehr oder minder offiziell. Im Spreehafen gibt es eine Sammlung alter Wasserlieger, die mit viel Hingabe erhalten werden. Wohnen ist hier allerdings, wie schon beschrieben verboten. Zusätzlicher Ärger kommt von der Hafenbehörde, die im September 2008 auf die Idee gekommen ist, die Dalben zu reparieren und die Liegegebühren deshalb zu verzwölffachen.

2009, vier Jahre nach vollmundiger Ankündigung des Senatsprojektes, sitzen wir am Küchentisch unseres Reihenhauses und sind aufgewacht. Hausboot in Hamburg bedeutet Behördenwirrwarr, Fertigbauten von Investoren für Millionäre oder Grauzone ohne Sicherheit in einer hinteren Hafenecke. Schade, für uns, aber ganz besonders auch für die freie und Hafenstadt Hamburg. Das Tor zur Welt ist für ein Flair, wie in Paris und Amsterdam geschlossen.

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