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Auf der linken Spur
Wir haben es getan! Vier Wochen auf der linken Spur - und das mit einem Toyota.

Ich habe hier irgendwo schon mal erwähnt, dass unser Sohn Victor für ein halbes Jahr in Neuseeland zur Schule geht. Nun haben wir ihn abgeholt und sind mit dem Auto über beide Inseln gefahren. Um es vorweg zu nehmen: Dieses Land ist einfach grandios und die Menschen unglaublich hilfsbereit und liebenswert lässig. Für uns steht fest, wir kommen wieder!

Es ging am 24.11. los mit dem Flug von Hamburg über London und Hongkong nach Auckland. Ich erspare mir jeden Kommentar über endloses Sitzen im Flugzeug und nervende Kontrollen auf den Flughäfen.

Wir kamen am Vormittag in Auckland an, Neuseelands größter Stadt im Norden der Nordinsel. Der Airport liegt im Süden der Stadt weit außerhalb des Zentrums und so konnte ich mich mit unserem Corolla bei geringem Verkehr an das Linksfahren gewöhnen. Es ging einfacher als erwartet, wahrscheinlich weil man auch auf der anderen Seite im Auto sitzt.

Da wir am Ende unserer Reise noch einige Tage in Auckland verbringen wollten, führte uns unser Weg weiter Richtung Süden und unsere erste Nacht in Neuseeland verbrachten wir in einer Lodge auf dem Land. Hier lernten wir nicht nur unseren Gastgeber Archie kennen, sondern konnten auch Kontakt zu Neuseelands größter Bevölkerungsschicht knüpfen.

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Nach elf Stunden Schlaf und einem opulenten Frühstück ging es am nächsten Morgen weiter Richtung Rotorua. Die Stadt ist bekannt dafür, den Touristen die Kultur der Maori näher zu bringen und die Gegend ist geprägt von heißen Quellen und schwefeligen Seen. Leider war hier alles fest in asiatischer Touristenhand und wir zogen weiter Richtung Süden am Lake Taupo entlang zum Tongariro Nationalpark.

Wir bekamen ein Zimmer im Ort Nationalpark in der Adventurelodge und starteten am nächsten Morgen unser erstes Abenteuer - Tongariro Crossing.

Im Bus der Adventurlodge ging es zum Ausgangspunkt der Wanderung über zwei Vulkankrater. Es war saukalt und es war schon etwas Kondition gefragt, aber die unglaubliche Landschaft hat uns die Anstrengung vergessen lassen. Nach sieben Stunden waren wir am Ziel, der Bus sammelte uns ein und in der Lodge wartete ein großes Steak und der heiße Whirlpool.

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An diesem Tage lernten wir Tammy und Sabine kennen, die in England leben. Wir verstanden uns auf Anhieb gut und haben uns während der Reise noch öfter wiedergetroffen.
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Am nächsten Tag saßen wir wieder im Corolla Kombi und fuhren duch eine wunderschöne Landschaft nach Wellington, der Hauptsadt Neuseelands und gleichzeitig der Fährhafen zur Südinsel.
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Nach ausführlichem Stadtbummel und einem Abend auf der Amüsiermeile Cubastreet gaben wir am nächsten Mittag unseren Kombi ab und nahmen die Fähre zur Südinsel. Die Fahrt dauert ungefähr dreieinhalb Stunden und wir konnten bei ruhiger See den Delfinen zusehen, die neben der Fähre schwammen.

In Picton angekommen bekamen wir wieder einen Corolla, diesmal einen Schrägheck und fuhren dann erstmal ins Motel. Der Stadtbummel war dann schnell erledigt, weil Picton nur ein kleiner Ort ist.

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NZ89 NZ92 Von Picton aus ging es an der Nordküste entlang zum Abel-Tasman Nationalpark. Hier gibt es einen Track, der der Küstenlinie folgt und ca. 70 Km lang ist. Eine Tagesetappe wollten wir diesen Track laufen.

Unser Heim für zwei Nächte wurde eines der Oceanview Chalets in Marahau. Von dort ging es morgens mit dem Wassertaxi nach Tonga. Dann folgten wir dem Track zurück bis Torrent Bay. Es war ein wunderschöner Weg an der Küstenlinie entlang mit Ausblicken auf traumhafte Strände. Am Nachmittag wurden wir vom Wassertaxi wieder eingesammelt und nach Marahau zurück gebracht.
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Nach einem leichten Schlaftrunk sanken wir in unsere Betten, um am nächsten Morgen frisch gestärkt vom reichlichen Frühstück unsere nächste Autoetappe in Angriff zu nehmen. Beim Frühstück haben wir übrigens erfahren, dass unser Chaletvermieter vor 20 Jahren aus Franken ausgewandert ist und von seinen Ersparnissen diese schönen Häuser gebaut hat.
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Es ging bei 30 Grad im Schatten durch die großen Weinanbaugebiete wieder Richtung Ostküste. Unser Ziel war Kaikoura, eine alte Walfängerstadt und der Ausgangspunkt für Whalewatchingtouren. Am Nachmittag kamen wir dort an und mieteten uns in der Dusky-Lodge ein, einem netten Backpackerhostel mit eigenem Swimmingpool im Garten.

Auf dem Weg ins Ortszentrum trafen wir Sabine und Tammy wieder, die ein paar Häuser weiter in einem anderen Hostel wohnten. Nach dem freudigen Wiedersehen beschlossen wir, uns die Wale gemeinsam anzusehen und buchten für den nächsten Morgen eine Tour.

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Tja, es fing ganz gut an. Die Boote hypermodern mit bequemen Sitzreihen  und Riesen-LCD-Monitor, die Besatzung hat sogar im Inneraum die schwarzen Sonnenbrillen aufbehalten - voll cool ey. Wir fuhren also ein paar Seemeilen raus an die Kante von einem tiefen Graben. Auf der Fahrt wurde uns alles Mögliche über die Wale und das Seegebiet erklärt und es gab schöne Bilder auf dem Fernseher. Der Skipper war in Funkkontakt mit mehreren anderen Booten und alle suchten mit viel Elektronik nach Walen. Nach zwei Stunden wurde einer geortet. Alle Boote fuhren hin und umzingelten den Wal . Gott sei Dank durften die nicht näher als hundert Meter ran und der Wal sah das auch ziemlich gelassen, hob dann irgendwann seine Schwanzflosse und tauchte ab. Danach fuhren alle wieder nach Kaikoura zurück. Unser Fazit: Drei Stunden gähnende Langeweile mit fünf Selbstdarstellern auf einem Boot um auf dreihundert Meter Entfernung einen Walschwanz zu sehen. Der Reinfall des Urlaubs für hundertzehn Euro pro Person.NZ129
Da das Ganze nur drei Stunden gedauert hat, verabschiedeten wir uns mal wieder von Sabine und Tammy und fuhren die etwa 130 Km bis Christchurch. Dort wollten wir endlich unser verlorenes Kind wiedertreffen. Victor war schon ein paar Tage dort und hatte Freunde besucht. Wir mieteten ein Doppelzimmer im gleichen Backpacker und trafen uns dann vor der Tür. Was da auf uns zukam, sah aus wie immer und benahm sich auch so. Den unsicheren Eltern fiel ein Stein vom Herzen.
NZ134  NZ133 Nachdem wir festgestellt hatten, dass unser Corolla Hatchback für drei Personen mit viel Gepäck zu eng ist, suchten wir ein Büro von Thrifty-Cars auf und wollten wieder einen Kombi haben. Den gab es aber nicht. Also bekamen wir so einen Pseudogeländewagen für die Stadt, genannt RAV 4. Am folgenden Tag sahen wir uns Christchurch an und Petra und ich kamen zu der Überzeugung, dass dies unsere Stadt wäre, wenn wir mal auf die Idee kämen auszuwandern.

Ich erwähne nur am Rande, dass wir bei der Suche nach einem Lokal zum Abendessen Sabine und Tammy wiedertrafen. Es wurde ein netter Abend und endgültig der Letzte, denn die beiden wollten am nächsten Tag nach Sidney fliegen. So werden wir uns wohl erst in Europa wiedersehen, aber eher nicht zufällig.
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Am nächsten Tag verließen wir diese schöne Stadt, um quer über die Insel an die Westküste zu fahren.

Der Weg führte uns über Arthurs Pass, die höchst gelegene Siedlung Neuseelands durch eine weiterhin atemberaubende Natur nach Greymouth an der Westküste. Von dort ging es nach Hokitika. Dort wird Jadeschmuck hergestellt und wir haben unsere Reisekasse um Einiges erleichtert.

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Weiter an der Westküste entlang Richtung Süden kamen wir zu den Pancake Rocks, einer Felsformation an der Küste, die aussieht wie stapelweise aufeinandergeschichtete Pfannkuchen. Dort übernachteten wir in einer kleinen Hüttensiedlung mitten im dichten Regenwald und nur auf schmalen Pfaden zu erreichen. Das Auto musste draußen bleiben.
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Morgens ging es weiter Richtung Süden zu einem Naturschauspiel, das man sonst nur noch in Patagonien findet. Die benachbarten Gletscher Franz-Josef und Fox ziehen sich herunter auf nur 300 Meter über dem Meer und liegen dicht an der Küste. Wir mieteten uns eine Blockhütte und buchten eine Ganztagestour im Franz-Josef-Glacier, ein unglaubliches Erlebnis. Mit dem Bus wird man zum Gletscher gefahren, muss noch einen halbstündigen Fußmarsch absolvieren, bekommt dann die Steigeisen und es geht ins Eis.
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NZ237 NZ252 NZ250 Unser Guide Tim hatte Gott sei Dank den Ehrgeiz, uns in eine Eishöhle zu führen. Das brachte zwar einige Klettereinlagen an Seilen mit sich aber es war ein unglaubliches Erlebnis in dieser blau schimmernden Höhle zu stehen. Danke Tim.
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Am nächsten Morgen sattelten wir wieder unseren RAV 4 und machten uns auf den Weg Richtung Queenstown, der Stadt, wo das Bungeejumping erfunden wurde und die heutzutage die Adrenalinhochburg von Neuseeland ist. Die Stadt selbst sieht ungefähr so aus, wie die Skiorte, die wir aus unseren Alpen kennen, also nicht besonders spannend. Victor machte eine Fahrt im Jetboat mit. Die Boote brauchen nur 10 cm Wasser unterm Kiel und donnern mit bis zu 90Km/Std über den Fluss. Eine kleine Rundfahrt durch die Gegend um Queenstown beendete dann unseren Aufenthalt dort und es ging weiter Richtung Milford Sound.
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Wir machten Quartier im Edgewater Motel in Te Anau, ein supersauberes Motel im 60er Jahre Stil. Von dort ging es am nächsten Tag auf der einzigen Straße 120 Km durchs Naturschutzgebiet zum Milford Sound. Auf Anraten unseres Hotelmanagers hatten wir eine dreistündige Fahrt auf dem Fjord inclusive Lunch gebucht. Das Wetter war für eines der regenreichsten Gebiete der Erde sehr gut, nämlich bewölkt aber trocken. Wir haben erfahren, dass viele der Wasserfälle, die in den Milford Sound fließen nach drei Tagen ohne Regen einfach versiegen. Insofern ist also Regen durchaus erwünscht.
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Von Te Anau geht es weiter zur Südspitze der Insel. Die Landschaft ist geprägt durch Viehwirtschaft und das Klima wird immer rauher. Hatten wir in den Weinanbaugebieten im Norden der Südinsel noch 30 Grad, so pendelt das Thermometer hier zwischen 9 und 12 Grad. Kein Wunder, denn zum Südpol sind es nur noch ein paar tausend Kilometer. Wir beschließen, uns hier nicht allzu lange aufzuhalten und fahren an der Ostküste wieder Richtung Norden.
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Unser Ziel ist Dunedin, die schottisch geprägte Stadt, in der Victor das letzte halbe Jahr verbracht hat. Wir mieten uns im Albatross Inn ein, einer im alten englischen Stil geführten Pension mit leicht plüschigem Ambiente. Natürlich lernen wir Sue kennen, Victors Gastmutter. Die ist gerade schwer damit beschäftigt, mit Würstchenverkauf Geld für den örtlichen Rugbyverein zu sammeln. Die wollen nämlich nach Hamilton zu einem Turnier fahren.

Wir fahren zu den Albatross- und Pinguinkolonien, besichtigen Larnach Castle, das einzige Schloss Neuseelands und genießen Essen und Bier in Sue's Lieblingspub. Die Zeit vergeht natürlich viel zu schnell und nach zwei Tagen müssen wir zum Flughafen, um nach Auckland zu fliegen.

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Schwiegermutters Traum:
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Auckland ist mit einer Million Einwohnern die größte Stadt Neuseelands und hat eigentlich alles zu bieten, was eine Großstadt ausmacht. Wir hatten ein Zimmer im Aspen House vorgebucht, einem Lowbudget Hotel in einer ruhigen Straße nahe der City. Unsere letzten vier Urlaubstage verbrachten wir mit Sightseeing und einem Ausflug zur Coromandel-Halbinsel.

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Tja, und dann war alles zuende. Vier Wochen auf der linken Spur vergingen wie im Flug und haben einen tiefen Eindruck bei uns hinterlassen. Von einer Natur, die ihresgleichen sucht, von freundlichen Menschen, deren Gelassenheit wir bewundern und einer Lenbensart, die scheinbar nicht von Hektik, Neid und Macht beherrscht wird.

Unser Wunsch ist, wieder in dieses Land reisen, mit weniger Gepäck, weniger Ansprüchen und viel, viel mehr Zeit. Wir arbeiten daran. 

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